Eine Deutsche in England | 10 Dinge…

Hier kommt eine kurze Unterbrechung meiner Reisetagebuch Posts. Wir wohnen jetzt offiziell seit zwei Monaten in England. Es ist daher Zeit für eine erstes kurzes Resümee. Dafür habe ich eine Liste an 10 merkwürdigen Dingen in England zusammengestellt, 5 positive und 5 weniger positive. Die meisten haben komischerweise mit Essen zu tun. Das scheint wohl ein sehr wichtiger Part meines Lebens zu sein, haha.

Hier sind meine fünf “Bitte mehr davon” Punkte:

1. Lebensmittellieferungen/Öffnungszeiten

In England lässt man sich seine Lebensmittel (in der Regel ein Mal in der Woche) nach Hause liefern. Und ich verstehe nicht, warum das in Deutschland nicht schon längst auch angekommen ist. Es ist praktischer und man kann im Vorraus planen. Meistens stelle ich unseren Einkauf am Wochenende zusammen und buche dann einen Liefertermin am Dienstag oder Mittwoch Abend. Das kostet mich gerade mal £1 zusätzlich und ich muss nichts schleppen. Wir kaufen außerdem nur was wir wirklich brauchen, wenn es nicht auf unserer Liste ist landet es nicht im Warenkorb.

Und wenn ich doch mal was vergessen habe kann ich es jederzeit noch besorgen. Auch Sonntags.

2. Kostenloses Leitungswasser

In fast jedem Land der Welt bekommt man zu seinem Essen kostenlos Leitungswasser. Nur in Deutschland nicht. Die meisten Restaurants hier haben direkt eine Flasche auf dem Tisch stehen, oder bringen es ungefragt nachdem man sich gesetzt hat. Und ehrlich, wie viel Geld würden deutsche Restaurants wirklich verlieren, wenn sie kostenlos Leitungswasser servieren würden?

Mal davon abgesehen, sollte man in Deutschland einfach häufiger danach fragen! Ich habe oft zu einem Glas Bier oder einem Kaffee nach Leitungswasser gefragt und es auch ohne Murren bekommen. Wahrscheinlich weil es nicht das einzige war was ich haben wollte. Aber wenn mehr Leute danach fragen, wird es vielleicht auch in Deutschland irgendwann normal Leitungswasser zu servieren.

3. Juchu, Grünkohl!

Frischer Grünkohl ist seit einiger Zeit ein sehr trendiges Gemüse. Trotzdem bekommt man ihn in Deutschland nur sehr schwer. Daher bin ich jetzt froh, endlich mal alle Rezepte mit Grünkohl aus meinem Lieblingskochbuch ausprobieren zu können. Dabei handelt es sich übrigens um folgendes Buch:

https://www.amazon.co.uk/Part-Time-Vegetarian-Flexible-Recipes-Meat-Free/dp/1848992653

4. Höflichkeit

Das mag insbesondere für jemanden der in Berlin aufgewachsen ist auffällig sein, aber ein kleines bisschen Höflichkeit schadet wirklich niemandem. Ich finde es einfach weitaus netter, wenn man beim Einsteigen in den Bus den Busfahrer grüßt und sich beim aussteigen bedankt. Wenn man fremde Menschen in England anlächelt muss man übrigens auch nicht mit komischen Reaktionen rechnen. Die meisten lächeln einfach zurück.

5. Unbefristete Arbeitsverträge

Da ich das aus Deutschland nicht gewöhnt war, war ich anfangs sehr überrascht, dass sowohl Francisco, als auch ich einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten haben. Und ich finde deutsche Firmen könnten endlich dazu zurück kommen diese zu vergeben. Ich weiß, dass das Arbeitsrecht in England anders ist als in Deutschland, aber wenn eine deutsche Firma einen Arbeitnehmer loswerden will, dann kann sie das egal was für einen Vertrag er hat. Warum muss man seine Arbeitnehmer in ständiger Ungewissheit halten? Es gibt hier übrigens auch in der Wissenschaft mehr unbefristete Verträge. Und unglaublicherweise macht es die Leute nicht faul (das aberwitzigste Argument gegen feste Verträge in der Wissenschaft, das gerne von deutschen Professoren angeführt wird).

Und meine fünf “Och nee” Punkte:

6. Kohlrabi?

Kohlrabi wird hier auch “German turnip” genannt, was wohl auch damit zusammenhängt, das es ein ziemlich deutsches Gemüse ist. Das war mir vorher so nicht bewusst. Also ab jetzt Grünkohl, dafür kein Kohlrabi.

GreenKohlrabi.jpg

https://en.wikipedia.org/wiki/Kohlrabi

7. Separate Wasserhähne für Kalt- und Warmwasser

Historisch gesehen kam das warme Wasser in England aus einem Tank auf dem Dach, während das kalte Wasser keimfrei gefiltert aus einer anderen Leitung kam. Alles schön und gut, aber historisch bedeutet normalerweise, dass es sich um etwas vergangenes handelt. Heute kommt kein Wasser mehr aus irgendwelchen Tänken. Trotzdem haben die meisten englischen Häuser separate Wasserleitungen und auch Wasserhähne. Das führt dazu, dass Duschen in unserem Haus leider eher ein Abenteuer als entspannend ist.

8. Keine Steckdosen im Badezimmer

Um gleich beim Badezimmer zu bleiben. In englischen Badezimmern gibt es häufig keine Steckdosen. Warum? Wie benutzt man hier elektrische Zahnbürsten (ich habe keine, aber so aus Interesse)? Wenn ich mir die Haare föhnen will muss ich ins Schlafzimmer gehen. Das ist doch komisch.

9. Australisches Bier

Engländer lieben ihre Pubs. In meiner Firma gibt es eine Liste in der man eintragen kann wie viele unterschiedliche Pubs man in diesem Jahr bereits besucht hat (einige meiner Kollegen waren schon in über 70 Pubs, ich bin bei 4). Und es gibt jede Menge unterschiedliche lokale Biersorten. Nur ein englisches Pilsener gibt es nicht. Stattdessen gibt es überall Pilsener vom anderen Ende der Welt: australisches Fosters.

10. Die Sache mit dem Tee

Tee trinken ist ein wichtiges kulturelles Gut in England. Man trinkt den ganzen Tag English breakfast tea (nicht nur morgens wie der Name vermuten lassen könnte). Aber überraschenderweise ist die Tee Auswahl in England ziemlich eingeschränkt. Es gibt nur schwarzen, grünen und für den Abend Minztee. Also wenn ihr mich mal besuchen kommt und nicht wisst was ihr mitbringen sollt: Früchte- und Kräutertees sind sehr willkommen 😉

Ich bin gespannt was ich noch finde, wenn ich erst einmal länger hier gelebt habe. Aber bitte nehmt diese Liste nicht zu Ernst. Bisher gefällt es uns sehr gut auf der Insel, selbst mit Brexit vor der Tür hatten wir keine größeren Probleme uns zurechtzufinden. Mit unserer Entscheidung hierher zu ziehen sind wir bisher sehr froh.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.