Die Rhön | Eine Familiengeschichte

Dieser Blog-Eintrag ist ein wenig anders. Es geht um die Heimat (und gewonnene Heimat) der Familie meines Vaters bzw. meiner Großeltern. Anlass dazu ist, dass meine Großmutter diesen Januar meinem Großvater zur ewigen Ruhe gefolgt ist.
Es soll aber kein trauriger Eintrag werden. Daher zunächst einmal Horst Evers zum Thema Rhön…

Die Rhön ist hier:
Ort in Google Maps

Wendershausen (Tann, Rhön):

Horst Evers über die Rhön:
“Ich werde übrigens häufig gefragt: Warum fährst Du eigentlich jedes Jahr immer wieder auf diesen Reiterhof? Man muss hierzu wissen: ich interessiere mich nun wirklich überhaupt gar nicht für Pferde und Reiten, null, nix, gar nicht. Also warum Reiterhof?
Weil ich, wenn ich schonmal Ferien habe, dann aber auch mal richtig frei haben möchte. Wirklich gar nichts machen müssen. Und da ist es dann natürlich sinnvoll, irgendwo hinzufahren, wo einen das, was da dann ist, nun wirklich überhaupt gar nicht interessiert. Wo man schon gleich morgens sagen kann. Gott, da muss ich jetzt aber echt mal gar nicht hin. Da kann ich ohne schlechtes Gewissen liegenbleiben. Und da ist dieser Reiterhof super.
Und auch die Rhön. Wer die Rhön kennt, weiß: Die Rhön lässt einen als Landschaft ja auch in Ruhe. Das ist keine aufdringliche Landschaft. Da gibt es ja ganz andere Urlaubsgegenden. Gegenden, wo tausend Sachen auf einen niederprasseln, X Reize einen überfluten. So ist die Rhön nicht.
Die Rhön ist eher so, dass man denkt: “Ach komm, lass mal noch Strickzeug mitnehmen.“ Und zu Recht, weil man schafft einiges und kann es auch gleich wieder gebrauchen. Weil die Rhön ist ja gleichzeitig auch nasskalt. Leider fast immer nasskalt. Quasi 11 von 12 Monaten: Regen. Oder so ähnlich. Also dieses Wetter: Sieht aus wie Regen. Fühlt sich an wie Regen. Aber: Kommt nichts. Also sozusagen: gefühlter Regen. Rhön quasi immer diesig. Und dort, in dieser diesigen Rhön, hab ich dann eben das Wandern für mich entdeckt. Grossartiger Sport.”
(Gekürzt, gefunden beim Autoren persönlich auf: http://www.horst-evers.de/?p=358)

Auf dem Hügel:

Die Familie meines Großvaters lebt schon sehr, sehr lange in der Rhön. Und ja, wir haben dort auch irgendwo unseren ominösen Nachnamen her. Woher genau ist offenes Diskussionsthema in der Familie. Er könnte sich aber vom spätlateinischen Substantiv orphanos → la (von dem altgriechischen ορφανός (orfanos) → grc) „ohne Eltern, vaterlos“ ableiten. Es könnte sich genausogut aber um den Namen eines Fisches handeln und darauf hinweisen, dass wir früher einmal Fischer waren.

Blick vom “neuen” Haus zum “alten” Haus (das kleine blau/weiße auf der linken Seite):

Das “alte” Haus im Winter:

Meine Großmutter ist dagegen im Sudetenland in Tschechien geboren und musste am Ende des zweiten Weltkriegs zusammen mit ihrer Familie aus ihrer Heimat fliehen. Da war sie 18 Jahre alt. Zunächst sind alle in Thüringen gelandet. Im weiteren Verlauf der Geschichte ist meine Großmutter dann aber weiter über die innerdeutsche Grenze nach Frankfurt geflohen. Von da an war ihre Familie getrennt. Ich glaube aber, dass sie mit meinem Großvater, der gemeinsamen Familie und der Umgebung eine gute zweite Heimat gefunden hat.

Mein Vater ist im “alten” Haus geboren, dass ich auch noch als Haus meiner Urgroßmutter kenne. Besonders bezeichnend für mich: Zur gesamten Lebzeit meiner Urgroßmutter gab es kein funktionierendes Badezimmer im Haus und keinen Kühlschrank (bis in die 1990er). Heute gehört uns das Haus nicht mehr.

Das “neue” Haus:

Das “neue” Haus hat mein Großvater später gebaut (natürlich nicht alleine, aber mit viel eigenem körperlichen Einsatz). Heute ist das wirklich neue Haus das meines Onkels, noch einmal 100m weiter.

Auf der Wasserkuppe Weihnachten 2014:

Mal ganz von der Ahnen-Duselei abgesehen kann man in der Rhön übrigens wirklich gut wandern gehen, es handelt sich außerdem um ein Biosphären-Reservat, es regnet wirklich nicht andauernd (auch wenn ich das so wie Horst Evers immer behaupte), das Essen ist deftig aber sehr gut und im Winter gibt es meist viel viel Schnee. Also: Hinfahren, abschalten!

Meine Großeltern und ich Ende der 80er:

(Coolstes Baby, mit Iro)

Im nächsten Post: Abflug nach Osten, auf nach Kirgistan (Kirgisien, etc., mehr dazu dann)! Bis dahin Grüße aus meinem Fotoalbum 🙂
(ich habe es bis auf dieses eine Bild bewusst vermieden Fotos von Familienmitgliedern, die nicht gefragt wurden im Internet zu verbreiten…)

 

 

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