Trinidad | Mein liebster Ort in Kuba

Von der Schweinebucht aus haben wir unsere Reise in Richtung Trinidad fortgesetzt. Auf dem Weg dorthin liegt Cienfuegos.

Cienfuegos ist eine eher ruhige Stadt, die im Gegensatz zu Havanna fast makellos und aufgeräumt wirkt. Bei wolkenlosem Himmel hatten wir ein wenig gehofft eine Bootstour oder etwas Ähnliches im Hafen machen zu können. In europäischen, oder vielen anderen Ländern der Welt hätte es sicherlich auch viele Anbieter für solche Touren gegeben. In Cienfuegos gab es: Nichts.

Da wir in unserem Reiseführer etwas über ein paar Segelclubs in einem etwas vorgelagertem Teil von Cienfuegos gelesen hatten haben wir uns zu Fuß auf den Weg gemacht um dort noch einmal unser Glück zu versuchen. Der Weg an der Promenade entlang entpuppte sich als weiter als gedacht. Im Segelclub angekommen, gab es dort eine Bar (selten in Kuba) und jede Menge Boote, aber ebenfalls keine Möglichkeit mit einem mitzufahren. Auch niemanden, der uns privat zurück in den Hafen mitnehmen hätte können. Ein wenig enttäuscht haben wir uns auf dem Rückweg eine Rikscha gegönnt. Der Fahrer tat uns zwar bei dem Wetter irgendwie leid, aber er war ziemlich glücklich Fahrgäste gefunden zu haben.

Cienfuegos:

Ausblick von der Promenade:

Verdad 😉

Zurück am Auto angekommen haben wir festgestellt, dass unser Kofferraum den ganzen Tag schon quasi offen stand. Zum Glück hatten wir das Auto auf einem betreuten Parkplatz abgestellt. Trotzdem ist Reisen ohne ein verschließbares Gefährt nicht wirklich zu empfehlen. Daher haben wir uns auf die Suche nach einer Station unseres Autovermieters gemacht. Dort hat man zunächst versucht unseren Kofferraum zu reparieren, allerdings erfolglos. Wir sollten es dann noch mal an der Station in Trinidad versuchen und waren skeptisch.

Für eine Weile saß ich am Auto und habe gewartet. Nach etwa 5 Minuten hat mich eine Frau angesprochen, die, als sie festgestellt hatte, dass ich sie verstehe, ohne Punkt und Komma losredete. Ziemlich schnell ging es nur noch darum, wie schwierig es ist auf Kuba Kleidung und Schreibwaren zu kaufen. Was diese beiden Themen angeht bin ich nicht ganz überzeugt. In jedem Reiseführer steht, dass man Kubanern eine Freude mit Kleidung (vor allem T-Shirts) und Kugelschreibern machen kann und daher Sachen, die man nicht mehr braucht mitnehmen soll. Manchmal hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass genau darum nach diesen Dingen gefragt wird und nicht deshalb, weil sie wirklich fehlen. Immerhin hat das Gespräch die Zeit vertrieben. Am Ende habe ich ihr zwei meiner T-Shirts überlassen.

Durch die Verzögerung sind wir erst später als geplant in Trinidad angekommen, sodass wir uns nicht weiter um unser Auto kümmern konnten. Wir haben stattdessen gleich bei einer in unserem Reiseführer empfohlenen Casa gehalten. Tatsächlich gab es noch ein Zimmer. Die Casa von Julio Muñoz ist ein mehr als beeindruckendes koloniales Herrenhaus mit einem Pferd im Hinterhof und zwei Hunden. Die Geschichte mit dem Pferd im Hinterhof habe ich erst geglaubt, als ich es mit eigenen Augen gesehen habe. Später hat uns Julio erklärt, dass er die Pferde regelmäßig “austauscht”, damit jedes von ihnen genug Zeit auf der Weide verbringen kann. Er hat außerdem ein Projekt gegründet und unterrichtet die Pferdehalter vor Ort über einen besseren Umgang mit ihren Tieren und diverse Trainingsmethoden (http://diana.trinidadphoto.com/).

Wohnzimmer:

Durchs Fenster:

Pferd!

Wohnzimmer, aus der anderen Ecke:

Am nächsten Tag haben wir tatsächlich ein neues Auto bekommen! Wir haben dabei sogar gewonnen und sind mit einem Suzuki Jimney 4×4 statt unserem Peugeot 206 vom Hof gefahren. Daraufhin konnten wir uns entspannt Trinidad angucken. Im Nachhinein muss ich sagen, dass Trinidad auf der gesamten Reise tatsächlich meine Lieblingsstation war. Eine wunderschöne alte kleine Kolonialstadt, nicht so viel Trubel trotz vieler Touristen und eine entspannte Atmosphäre. Außerdem gab es ein paar recht vernünftige Restaurants, in denen ich sogar ein vegetarisches Nudelgericht gefunde habe 😉

Stufen zur Dachterasse (Casa Muñoz):

Blick von der Dachterasse:

Zoom:

Windhund (erinnert mich irgendwie an Sanssouci):

Über Julio konnte man auch Reitausflüge zu einem Wasserfall buchen. Die Umgebung von Trinidad bietet ein wunderschönes Panorama für Ausritte. Leider war mit uns auch ein recht gesprächiger, nerviger Kanadier unterwegs. Irgendwann hat er aber wohl gemerkt dass wir nicht so erfreut waren und hat uns dann doch in Ruhe gelassen.

Reiten:

Sagt ´Hallo´ zu meinem neuen Freund:

Wasserfall:

Weil uns die Landschaft um Trinidad so gut gefallen hat haben wir beschlossen noch einen Tag länger zu bleiben und einen Ausflug nach Topes de Collantes zu machen. Dabei handelt es sich um einen kleinen Kurort im Wald und laut Reiseführer sollte man dort auch verschiedene Wanderungen machen können. In Kuba zu wandern ist leider nicht ganz so einfach, da die Kubaner was diese Art des Tourismus anbetrifft noch ganz am Anfang stehen. In den meisten Naturschutzgebieten darf man sich gar nicht alleine bewegen und ausgeschilderte Wege gibt es eigentlich nirgends. Wir haben uns für eine Wanderung zu einer kleinen Höhle entschieden. Am Anfang des Weges (hier ist man dann wieder ganz groß dabei) saß ein sehr alter runzeliger Mann, der uns zwei sorgfältig ausgesuchte, also vom Boden aufgesammelte, Wanderstöcke in die Hand drückte. Die Wanderung sollte dann 4$ pro Person kosten, mit ihm als Guide 10$. Wir sind dann also ohne ihn losgelaufen.

Die Höhle war nicht die spektakulärste die ich je gesehen habe aber ich würde solche Touren trotzdem jedem empfehlen. In Kuba gibt nahezu kein naturbelassenes Stück Land mehr, nur in den bergigen Gebieten hat man also die Chance zu sehen, wie Kuba ohne die intensive Nutzung des Bodens und die Abholzung der Wälder heute noch aussehen würde.

Impresionado de la naturaleza:

Die Steigung:

Nicht fertig:

Etwas andere Schulbusse:

Spaziergang durch den Regenwald:

Ich beim Versuch ein Foto der Höhle zu machen:

Auf dem Rückweg fing es an zu regnen. Die Luft roch daraufhin genauso, wie ich es noch aus Ecuador kannte. Eine schöne Erinnerung…

Warum Topes de Collantes ein Kurort ist, ist übrigens ganz einfach zu erklären. Man hat sich die Mühe gemacht einen riesigen Plattenbau in die Berge zu setzen und “Kurhotel” daraufzuschreiben. Ich frage mich, ob irgendwer tatsächlich in diesem Betonklotz übernachtet. Als Hotel betrieben wird er jedenfalls weiterhin.

Das Hotel:

Kur?

Um vor Einbruch der Dunkelheit wieder in Trinidad zu sein (die Straßen…) mussten wir uns ziemlich beeilen, allerdings konnten wir zwischendurch nicht anders und mussten noch mal anhalten um den wahnsinnigen Ausblick und Sonnenuntergang zu bewundern.

Wir sind in Mittelerde:

Sauron beobachtet uns:

Nächtes mal: Camagüey – unsere neue kubanische Familie

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